Salza 2009

Au weia, schon in der Überschrift ein Superlativ. Das kann ja heiter werden. Stimmt aber
wirklich! In meinem bald 50-jährigen Paddlerdasein – tja so ein alter Knabe bin ich – habe
ich ja schon viele Wildflüsse befahren. Natürlich die Klassiker Ammer, Obere Isar, Loisach,
Rissbach, Ötz, aber auch Soca, Durance, Ubaye, Guysane, Ardeche und so manchen anderen schönen Bach. In den Glanzzeiten, lang, lang ist´s her. Aber so schön wars noch
nie! Wirklich! Doch was wurden wir vorher gewarnt: Da regnet´s immer, das ist mitten in
der Pampa, da gibt’s keinen Laden, keine Tankstelle, keine Bank. Stimmt alles nicht, zumindest nicht mehr. Na ja, außer das mit dem Regen, aber dazu später. In den 25 Jahren,
als zum letzten Mal FCH-ler dort waren, hat sich einiges getan, im “Grünen Herz Österreichs“, in der Steiermark, genauer gesagt in Wildalpen an der Steirischen Salza.


Mit ihrem glasklaren, smaragdgrünen Wasser in Trinkwasserqualität und auch wegen der
beachtlichen befahrbaren Länge von ca.60km ohne große Eingriffe von Wasserbauern etc.
gehört die Salza zu den schönsten Flüssen im Alpenraum, für mich ist sie ein *Fluss!
Die Salza ist ein wunderschöner leichter bis mäßig schwerer Wildfluss, der für Anfänger,
Genießer -so wie wir-, Spielfahrer und Profis gleichermaßen geeignet ist. Wildalpen, das
seinen bescheidenen Wohlstand zu einem beträchtlichen Teil dem Kajaksport verdankt, ist
das Zentrum für Liebhaber des Wildwassersports, in erster Linie, aber auch für Wanderer
und Mountainbiker. Unser ausgewählter Campingplatz, direkt am grünen, klaren Wasser
der Steirischen Salza in einem Landschaftsschutz- und Naturparkgebiet gelegen, wird fast
ausschließlich von Paddlern besucht und war ziemlich voll, besonders am Wochenende.
Was sich natürlich auch bei den sanitären Anlagen auswirkte. Zwei Duschen jeweils für
Männlein und Weiblein! Für Lienz-Luxus-Camper natürlich eine kleine Umstellung. Immerhin kam jeden Morgen die Bäckersfrau mit frischen Semmeln angefahren – bitte nicht
Wecken oder gar Brötchen sagen.
Attraktion des Platzes ist die sogenannte Campingplatzwalze, hier konnte jeder zeigen
was er kann. Ob beim einfach-souveränen Meistern, Kentern oder Cartwheelen,
In der Campingplatzwalze: Ralf hats schon geschafft, Hartmut kämpft noch
zahlreiche Zuschauer waren einem sicher. Insbesondere wenn es so 2er- SchlauchKanadier in der Walze aufstellte war man froh, dass man selbst es geschafft hatte, bzw.
vom Ufer besserwisserisch zugucken konnte. Hier werden und wurden auch immer KanuRodeo- Meisterschaften ausgetragen. Ein internatio- nales Völkchen tummelte sich auf
dem Platz, viele Kanuten aus Tschechien und der Slowakei, aber auch aus den
Niederlanden waren da. Und wir natürlich, immerhin 11 FCH-ler. Der Platz ist urig-rustikal,
sagen wir mal so. Wie Paddler halt auch. Am Flussufer konnten sogar Lagerfeuer gemacht
werden. Und bei Regenwetter, das wir natürlich auch mal hatten, darf/muss man sogar
Gräben ziehen zur Entwässerung. Unser Vorzelt stand zwei Tage mal unter Wasser. Aber
es war richtig toll, wie mit vereinten Kräften ein Kanalsystem entstand und das Kind im
Manne geweckt wurde. So im Dreck suhlen hat halt was! Sogar unsere
Wohnwagennachbarin aus Wien hat mit ihrer Kehricht-Schaufel Wasser geschöpft. Bei
den Piefkes! Wasser ist eben faszinierend. Übrigens, weil die Gegend in der Tat so
niederschlagsreich ist, wurde schon 1910 eine Trinkwasser-Hochdruckleitung bis Wien
gebaut, heute ein Kulturdenkmal, aber immer noch fließen täglich 270.000m³ Trinkwasser
in die österreichische Bundeshaupt-stadt. Im Wasserleitungsmuseum in Wildalpen konnte
man dazu viel Interessantes erfahren, auch wenn man schon mal in einem Museum war!
Faszinierend vor allem ist aber die Salza. Zum Einfahren ideal die obere Strecke, der sogenannte „Klausgraben“. Weg von der Straße fließt der Fluss zuerst durch Wald und dann
durch die tiefe, unzugängliche Klaus-Schlucht. Direkt aus dem Fluss steigen hier die Felswände auf. Insgesamt aber alles überschaubar, leichtes Wildwasser (I-II). Es gibt wohl nur
wenige so reinrassige Schluchten, die auch Anfängern zugänglich sind. Weil es so schön
war, sind wir diese Strecke zweimal gefahren. Und da passierte es! Plötzlich brach aus
dem Wald ein stattlicher Hirsch hervor, mindestens ein Vierzehnender, preschte kurz vor
uns quer durch die Salza, die an dieser Stelle keinen halben Meter tief war. Gefolgt von
seiner Hirschkuh. Das ist kein Jäger- bzw. Kanutenlatein! Es gibt Zeugen. Wir waren ganz
Im Klausgraben
baff. Wer mehr erschrocken war, Hirsch oder Paddler, wir wissen es nicht. Wildalpen
machte seinem Namen alle Ehre. Nomen est Omen.
Der beliebteste und am häufigsten befahrene Teil der Salza ist das untere Stück ab dem
Campingplatz, zuerst bis Fachwerk und dann das „Paradies“ und die Palfauer Schlucht.
Die landschaftlich hervorragend schöne und wildwassertechnisch sehr interessante Salza
ist hier ein einziger Genuss, und das 25 km lang. Nicht nur ich empfand dies so. Die
Bezeichnung „Paradies“ hält z.Bsp. was sie verspricht. Neben zahlreichen Blockpassagen, kleinen Stufen, Schwällen, Prallwänden und Verblockungen, ein verblockter
Abfall und mit der „Langen Gasse“, eine Konglomeratschlucht, schließlich Höhe- und
Schlusspunkt der Fahrt. Schwierigkeitsmäßig maximal WW III. Wir hatten idealen
Wasserstand und Sonnenschein, es war der pure Genuss! Gut, es gab auch Kenterungen,
schlafen darf man nicht, aber was solls? Echt gefordert waren wir aber dann noch am Ziel
beim Camping Saggraben, schon auf dem Trockenen. Susanne hatte es gut gemeint und
Ralfs Auto auf ganz steilem Schotterweg bis fast ans Wasser gefahren und es bedurfte der
ganzen Fahrkünste von Ralf und unser kräftiges Schieben, dass der gute Audi wieder
oben war. Aber es hat geklappt.
Im „Paradies“
Nach so einem gelungenen Tag schmeckte am Abend das Essen in der Gaststätte in Hinterwildalpen noch mehr. Und bei günstigen Preisen, wie wir alle feststellten. Apropos Essen: Gut wars auch in der Jausenstation, ich weiß nur nicht mehr wars Karins oder Astrids
Jause. Peinlich halt, wenn der FO frägt und das die Konkurrenz ist.
Zum Essen auf dem Campingplatz gehörten leider auch viele Wespen. Der andere Manfred hat doch glatt eine totgebissen (!), während Hartmut mit der Fliegenklatsche wild um
sich schlug.
Leider waren wir nur eine Woche an der Salza, und dabei hatten wir nicht immer gutes
Wetter, eher von jedem etwas. Schön wurde es erst, als wir in Mariazell waren, etwa 30km
Salza aufwärts, dem bekannten Wallfahrtsort mit seiner berühmten Barock-Basilika. Und
das am Vortag von Maria Himmelfahrt, da war vielleicht was los.
Zu kurz war auch die Zeit für Radtouren, Wanderungen und größere Bergtouren, zum
Hochschwabgipfel zum Beispiel, immerhin 2278m hoch. Die Gegend ist wunderschön und
es gibt viele Möglichkeiten. Hartmut und Dani, Ralf und Susanne unternahmen mal eine
abenteuerliche Erkundungstour im Lassingtal und erlebten eine wilde Landschaft. Und
dass der Name Wildalpen eben stimmt, bewies auch der Bärenkot (!?) – Bärenlosung, wie
die Jäger sagen -, den Susanne dabei entdeckte. Gedampft hat er zwar nicht mehr, aber
dass es dort Bären, Braunbären, wieder gibt, schreibt auch Altmeister Hans Matz in seinem sehr guten, empfehlenswerten Buch über die Steirische Salza. Aber keine Angst, der
Bär hält normalerweise immer eine entsprechende Entfernung zum Wanderer ein. Hoffen
wir mal.
Die Wildwasserwoche im Salzatal, das mit Ausnahme von drei kleinen Ortschaften fast
unbesiedelt ist, war für uns alle ein schönes Erlebnis. Landschaft und Fluss sind ein
Naturparadies. Nicht von ungefähr sagte Ralf zum Abschluss:“Hier war ich nicht das letzte
Mal!“
Text: Manfred Renz
Fotos:Susanne Grimm, Ralf Meie