Brenzreinigung 2020: Paddeln für die Umwelt

Mit Kajaks sammelte der Faltbootclub Heidenheim den Müll von den Ufern der Brenz. Neben Plastiktüten und Trinkflaschen fanden sie auch Katheterbeutel, Lkw-Reifen und Fahrräder.

Vom Ufer aus unbemerkt schwimmt eine ganze Menge Müll die Brenz herunter und verfängt sich an der Böschung, den Ästen, die ins Wasser ragen oder an Nestern von Wasservögeln. Dem Blick der Wanderer entgeht vieles von dem Abfall im Wasser, den Heidenheimer Kajakfahrern sind die Plastiktüten, Dosen und Flaschen aber ein Dorn im Auge.

Für den Kanuclub Heidenheim ist die Brenz wöchentlicher Trainings- und Erholungsort. Und so entstand die Idee der Brenzreinigung. Organisiert von Dana und Alexander Feiler gingen die Kanuten eine Woche lang jeden Tag mit bis zu 11 Leuten aufs Wasser. Sie sammelten alles ein, was an den Ufern im Gestrüpp oder direkt im Wasser erreichbar war. „Jeden Tag nahmen wir uns ein anderes Stück der Brenz vor“, sagt Dana Feiler. Die Schülerin hatte die Idee für die Aktion: „Ich dachte einfach, das ist eine gute Möglichkeit sich vor Ort selbst für den Umweltschutz einzusetzen.“

Nicht nur sie, sondern auch ihr Vater Alexander Feiler ist erstaunt wie viel letztendlich tatsächlich aus der Brenz gefischt wurde. „Wir haben einen ganzen Container gefüllt. Es ist zwar großartig zu sehen, wie alle mit angepackt haben, aber in erster Linie ist es traurig, dass so viel Müll im Wasser landet“, bilanziert er.

Die rund 30 Kanuten, die sich an der Putzete zu Wasser beteiligten, wurden an den Ufern von acht Läufern und Triathleten der Outdoorgruppe des SV Mergelstetten unterstützt. Sie sammelten zu Fuß alles, was vom Boot aus unerreichbar blieb. Die Helfer wagten sich bei jedem Wetter nach draußen – ob Schnee, Regen oder kalter Wind. Wieso die Brenzreinigung gerade jetzt in der noch winterlichen Kälte stattfand? „Es war uns sehr wichtig, dass keine brütenden Vögel im Frühjahr gestört werden und auch keine Tiere bei der Winterruhe. Da war das die beste Zeit genau dazwischen“, erklärt Feiler.

Die Entsorgung des Mülls übernahmen die Firma Hörger und der Kreis-Abfall-Wirtschafts-Betrieb. Insgesamt waren das am Ende knapp eine Tonne. Sammelzangen bekamen Kanuten und Läufer gestellt.

Mit diesen Zangen und mit Jutebeuteln bewaffnet arbeiteten sich die Wassersportler systematisch Stück für Stück am Brenzufer entlang. Auf manchen Abschnitten musste das große Begleitboot, in dem der Abfall gesammelt wurde, mehrmals zwischendurch geleert werden. Besonders viel Unrat zogen die Brenzreiniger zum Beispiel zwischen Königsbronn und Schnaitheim sowie um Herbrechtingen und zwischen Giengen und Hermaringen aus dem Schlick.

Und zwar nicht nur Plastik und Styropor: Zu den skurrilen Fundstücken zählen Fahrräder, Lkw-Reifen, Straßenschilder und -Pinguine, Eheringe, eine unleserliche Flaschenpost, Katheterbeutel und Teile eines Hometrainers. „Jetzt wundert es mich nicht mehr wo das ganze Mikroplastik in den Meeren herkommt. Allein unsere Flüsse bringen ja genug mit“, ist Alexander Feiler immer noch schockiert über die Massen an Plastik, die er mit seinen Mitstreitern aus dem Fluss zog. Vieles davon so zerfleddert, dass es nicht mehr zu greifen war. Zersetztes Styropor schwimme beispielsweise in kleinen Kügelchen durch das Eselsburger Tal – Keine Chance das wieder aus dem Fluss zu bekommen. „Tüten, die schon länger am Ufer liegen, zerfallen einfach, wenn man an ihnen zieht“, sagt Feiler. Stellenweise kam es ihm vor, als sei der Uferbereich früher als Müllablage genutzt worden. Der Abfall sei hier in mehreren Schichten gelagert gewesen.