O Vino, o Ticino, o Lago Maggiore Amore!

Es wird verherrlicht und zählt zu den schönsten Gegenden Europas, dieses Tessin,
dieser italienische Süden
der Schweiz.
Palmen und Alpengipfel,
faszinierende, wildromantische Flusstäler mit
reißenden Wassern, alte
mit Kunstschätzen
ausgestattete Kirchen,
mediterranes Ambiente,
untermalt von blutroten
Sonnenuntergängen und
als Gegensatz gedrungene, mit zentnerschweren
Granitplatten gedeckte
Häuser, zählen nur
unvollkommen die
Gegensätze dieser
Landschaft auf.


Der Tessin gilt als der Sonnenbalkon der Schweiz und ganz besonders Locarno, die
tiefstgelegene Stadt der Schweiz (ca. 200m).
Na ja, so oder so ähnlich steht es immer in den Reiseführern, aber die geradezu
subtropische Vegetation am Lago Maggiore verlangt auch viele Niederschläge und
so bringen die „Genua-Tiefs“, die sich am Südrand der Alpen abregnen, oft auch
gewaltige Regengüsse. Und so ein Regentief erwartete uns denn auch prompt, als
wir vom San Bernardino runter ins Moesa-Tal und nach Locarno fuhren. Denn dort
wohnten wir, in beneidenswerter Lage direkt am Lago Maggiore auf einem
Campingplatz. Nach 2 Tagen Dauerregen, die einige schon in defätistisches Grübeln
verfallen ließen, wurde es denn auch wieder schön, so dass wir sogar im randvollen
See zum Baden konnten.
Natürlich sind wir Kajakgefahren, zum Bsp. auf der Maggia, die aber seltsamerweise
erstaunlich wenig Wasser hatte. Ein andermal auf dem Ticino (Tessin) mit seinen
hübschen
Kiesbankschwällen, der
unweit unseres Platzes in
den Lago mündet. Die
Moesa, die in den Ticino
mündet, führte ordentlich
Wasser, so dass man
auch stärker gefordert
war.
Wunderschön ist auch
das Verzascatal, sicher
dasjenige, das von den
Tälern südlich der Alpen
am besten seine
Ursprünglichkeit bewahrt
hat. Im Vergleich zum
übrigen Tessin ist das
Valle Verzasca ein raues,
wildes Tal mit extrem
Isola Bella
steilen Hängen und unzähligen Wasserfällen. Granit ist der vorherrschende Baustoff
der zahlreichen kleinen Häuser.

Selbst die Dächer sind mit dünnen Platten des so unverwüstlichen Steines bedeckt.
Bei der Fahrt ins Verzascatal fällt zuerst die gigantische Staumauer des
Wasserkraftwerks auf, sie zählt mit ihren 220m Höhe zu den höchsten Dämmen
Europas. Nicht nur ein Spaziergang auf der Staumauer bietet sich an, als
besonderen Ner-venkitzel kann hier jeder Mutige(?) Bungee-Jumping machen und
sich in die Tiefe
stürzen. Für einen
James Bond-Film
wurden hier die
entsprechenden
Aufnahmen gedreht.
Wir haben uns das
natürlich auch
überlegt – zum
Glück aber war
Jumping an diesem
Tag nicht möglich!!!
Am Ende des Tales
liegt das Dörfchen
Sonogno, mit
sehenswertem
Ortskern, eigentlich
ein einziges
Freilichtmuseum.
Die offiziell befahrbare Straße endet hier in einem Parkplatz vor dem Ort.
Die wilde Verzasca, nur für absolute Könner fahrbar –Stefan bspw. hat sie schon
bezwungen – bietet neben mir unbefahrbar scheinenden Abfällen und Engpässen
aber auch immer wieder bizarre Felsformationen mit riesigen Gumpen die zum
Baden ins klare grüne Wasser einladen.
Sogar bei Tauchern ist die Verzasca sehr beliebt wegen ihren wunderschönen
Tauchplätzen, ist aber auch gefährlich mit ihren Syphons. Es hat immer wieder
diesbezügliche Warntafeln.
Sehr schön war auch der Ausflug nach Bellinzona mit seiner das Tal beherrschenden Burganlage. Der Ort war als Schlüssel zu den Pässen St.Gotthard, San Bernardino, Nufenen und Lukmanier von großer strategischer Bedeutung schon im Mittelalter. Bellinzona zählt heute zum Weltkulturerbe.
Für einen Bahnfreak wie mich und Bernd geradezu ein Muss, die Fahrt mit der
Centovallibahn,. Die Bahn verbindet Locarno am Lago Maggiore über eine
romantische Strecke mit dem italienischen Domodossola an der Simplonstrecke. Die
etwa 60 km lange Schmalspurstrecke verdankt ihren Namen den fast „hundert
Tälern“, die sie auf unzähligen Viadukten überquert. Höhepunkt ist die Überquerung
des schwindelerregenden Isorno-Viadukts (darüber Näheres wieder bei Stefan F.).
Eine endlose Serie von Tunnels, Brücken und engen Kurven folgt bis zur
italienischen Grenze. Und weil wir noch nicht genug hatten, sind wir in Domodossola
umgestiegen zur italienischen Staatsbahn FS und das breite Toce-Tal
abwärtsgefahren bis Stresa. Hier hat es die berühmten Grand-Hotels und die
dazugehörigen Reichen. Weil wir da nicht so ganz dazugehören – noch nicht – sind
wir mit dem Schiff auf dem Lago wieder aufwärts gefahren bis Locarno. Vorbei an
diversen malerisch schönen Inseln und Ortschaften, die vom Schiff aus viel
beindruckender sind als aus anderer Perspektive. Ein eigener Ausflug war uns die
Isole di Brissago wert, die einen botanischen Garten beherbergt mit seltenen
Pflanzen, ähnlich der Mainau. Die Frauen wollten ja auch was zum Gucken und
Staunen. Und ich weiß jetzt auch warum so viele politische Konferenzen am Lago
Maggiore waren: einfach weils so schön ist! Das Ambiente machts halt.
Nicht zu vergessen zu erwähnen sollte man natürlich die Abende im Herrmannschen
Vorzelt, gut geschützt gegen den Regen und die Kälte, versorgt mit einem guten
Vino und Schnaps aus Haushaltsauflösungen. Und die Einkaufserlebnisse im nahen
Supermarkt! Und Locarno und Ascona, wie das schon klingt und Assoziationen
weckt. Und dann natürlich noch die Geschichte von Himpelchen und Pimpelchen,
aber vielleicht können wir das am Filmabend im November von Ellen uns erzählen
lassen.
Und noch mehr ??? Ciao, Manfred Renz