9 Tage leben aus einem Boot

Meditative Eintönigkeit, Ruhe und Naturverbundenheit, Abenteuer und das Velassen der Komfortzone. Geht man es richtig an, kann das Wanderpaddeln genau das sein. Das Reisen nur mit Kajak, Paddel und Campingkocher hat aber zwei Gesichter und zeigt nach neun Tagen auf dem Wasser auch dem größten Paddelfanatiker mal sein verstecktes Antlitz. Und das klagt über blasen, richtet den Blick gen Boden, weil es seinen Rücken vor Schmerz nicht mehr strecken kann und verflucht Dosenravioli für ihre tröge Eintönigkeit.

Genauso ging es auch den fünf Kanuten des Faltbootclubs, die sich dieses Jahr für mehr als eine Woche auf die Elbe begaben und zwischen Decin und Wittenberge knapp 500 Kilometer unter die Kiele nahmen. Im Sandsteingebirge auf der tschechischen Grenze, in der Sächsischen Schweiz, Sachsen und Städten wie Dresden und Magdeburg durften sie erleben, wie sich ein europäischer Strom durch etliche verschiedene Landschaftstypen schlängelt. Auf ihrem Weg durchquerten sie Naturschutzgebiete mit See- und Fischadlern, Kranichen, Rehfamilien, Bibern, Kibitzen und märchenhaften Flussstränden. Die Elbe lud sie ein auf Lagerfeuer zwischen Dunen und sandigen Buchten und auf Nächte unter sternenklarem Himmel.

Aber die Schiffahrtsstraße bewies auch, dass sie durch Gegenwind ihre Fliesgeschwindigkeit fast wieder wett machen kann. Dass sie mit ein paar Blitzen fünf gestandene Männer an Land jagen kann. In ihren Wanderkajaks harrten die Sportler dem Ende des Sturms und wurden fröstelnd und durchnässt nach einiger Zeit wieder aufs Wasser gelassen. Die Elbe lies ihren Traum platzen, bis nach Hamburg zu kommen und auch die 500-Meter-Marke war dieses Jahr nicht drin.

Mit rund 30 Kilometern weniger kamen Uwe Hoffmann, Alex Feiler, Hartmut Uhl, Hannes Zembsch und Patrick Vetter trotzdem mit befriedigten Paddlerbegehren an ihrem letzten Übernachtungsplatz an. Von Anfang an ging es darum, 9 Tage aus einem Boot zu leben. Zelte, Küche, Essen und Kaffee, alles muss von Beginn an dabei sein. Je reibungsloser alles dank einer guten Vorbereitung funktioniert, desto zufriedener lässt es sich paddeln. Auch wenn die Truppe sich zugegebenermaßen die Bäuche zwischendurch in einem Bulgarischen Restaurant oder mit Schnittchen vom Bäcker vollschlagen konnte.