Brigitte hatte Mennetou sur Cher als Standort für die Befahrung des Cher und der
Nebenflüsse wie La Grande Sauldre, Yèvre und Arnon ausgewählt. Wir waren über
Pfingsten angereist und wurden auf dem Camping Municipal Val Rose von der Platzleiterin
sehr freundlich empfangen. Der Platz ist gut angelegt, ruhig und außergewöhnlich preiswert.
Die sanitären Einrichtungen waren sachgerecht und immer sauber.

Am ersten Tag unseres Aufenthalts besichtigten wir Schloss Valencay und wandelten dabei
auf den Spuren von Talleyrand, der auf Wunsch von Napoleon Bonaparte 1799 das Schloss
kaufte und es bis zu seinem Tod 1838 mit kurzen Unterbrechungen bewohnte. Er machte
bekanntlich von hier aus große europäische Politik und empfing im Schloss viele gekrönte
Häupter, Minister und Diplomaten. Der Besuch des Schlosses ist sehr empfehlenswert.
Am nächsten Tag stand dann eine Kanutour auf dem Programm. Um den Aufwand gering zu
halten, sollte sie zum Campingplatz führen. Zur Debatte standen die Strecken Vierzon –
Campingplatz auf dem Cher mit 2 Wehren und Méreau – Campingplatz auf Arnon und Cher
mit nur einem Wehr nach Angaben des neuesten DKV-Auslandsführers. Angaben für den
Arnon: „Der Arnon, ein Fluss der Nordabdachung des Zentralmassivs, ist ein sehr einsamer,
naturbelassener Fluss. Mehrere Schlösser am Fluss.“ Und weiter für die Strecke ab Stausee
von Mareuil: „Achtung, auf den nächsten 8 km auf keinen Fall r aussteigen, die Eigentümer
verteidigen ihren Besitz mit Gewehren und Hunden. St. Georges, keine Bäume mehr im
Fluss,“ Für die letzten 30km bis zur Mündung in den Cher sind im Flussführer auch keine
unfahrbaren Hindernisse wie Wehre angegeben. Wir entschieden uns deshalb für die
Strecke Méreau – Campingplatz auf Arnon und Cher. Wir rechneten, gegen 16 Uhr am
Campingplatz einzutreffen, und nahmen entsprechend wenig Proviant mit. Wir hatten keinen
Schimmer von Ahnung, auf welches Abenteuer wir uns eingelassen hatten.
Zu acht, nämlich Hannelore, Reinhard, Käthe, Werner, Uta, Josef, Karin und ich, fuhren wir
zur Straßenbrücke zwischen Méreau und Massay. Wir fanden weder eine
Einstiegsmöglichkeit noch Parkplatz. Das sehr steile Ufer war völlig zugewachsen. Eine
Bäuerin sagte: „Hier gibt es weit und breit keine passable Einstiegsmöglichkeit“. Kanuten
hatte sie auf dem Arnon auch noch keine gesehen. Wir fuhren also weiter zur Straßenbrücke
bei Lury. Hier fanden wir eine ideale Einsetzstelle mit einem großen Parkplatz bei einem
Fußballplatz und einer leicht zugänglichen Sandbank. Der Wasserstand war sehr gut. Alle
waren zufrieden.
Dann begann das Abenteuer!!!
Bereits nach 400 m versperrte uns ein absolut unfahrbares Wehr die Weiterfahrt. Der
Ausstieg ging, der Einsatz war sehr beschwerlich. Wir mussten gut 200 m umtragen. Hier
hätten wir noch umkehren können. Nachdem wir eine Eisenbahnbrücke passiert hatten,
erreichten wir nach weiteren 2 km einen Steg, unter dem ein stark verblockter Schwall war.
Werner und ich befuhren den Schwall. Der Rest der Truppe trug um, was hier nicht allzu
schwer war. Bei dieser Gelegenheit machten wir Mittagspause, ohne zu ahnen, was noch
kommen sollte. Nach 1 km kamen wir zum 2. unfahrbaren Wehr: Aus- und Einstieg äußerst
bescheiden, weiter Weg, alles zugewachsen. Nun kam eine längere Strecke ohne Wehr. Wir
passierten die Brücke bei Méreau und erreichten nach 4 km das 3. unfahrbare Wehr,
dessen Umtragung mehr als schwierig war. Wir hatten uns inzwischen gut aufeinander
eingespielt. Es gab keine Klagen.
Weiter ging das Abenteuer nach 1,5 km mit dem 4. unfahrbaren Wehr. Ein- und Ausstieg wie
gehabt sehr schwierig, Weiter Weg durch ca. 1m hohes Gras, Abstieg zum Fluss durch
Stacheldrahtzaun. Wir erinnerten uns an die Eigentümer, die ihren Besitz mit Gewehren und
Hunden verteidigen. Nach 500 m sahen wir über uns die Autobahnbrücke der A20 nahe
Vierzon und wähnten uns dem Cher nahe. Der Arnon hatte aber noch 2 weitere
Überraschungen für uns parat. Nach der Straßenbrücke der D90 folgte nach rund 2 km das 5. unfahrbare Wehr, dessen Umtragung wie bei den vorangegangenen sehr schwierig war.
Wir dachten, es ist geschafft, und erwarteten hinter jeder Kurve die Mündung in den Cher.
Die undurchdringliche Wand am Arnon – Foto: Uta Ernst
Dann kam der Knaller: 200 m vor der Mündung gab es kein Durchkommen mehr. Eine
undurchdringliche Wand bestehend aus einem großen Baum, angeschwemmtem Treibgut
und Abfall aller Art versperrte total die Durchfahrt. Es war ein nicht ungefährlicher Siphon,
denn das gesamte Wasser des Arnon verschwand unter der Wand.
Vor dem Bootstransport musste der Weg frei gemacht werden – Foto: Uta Ernst
Werner mit nackten Beinen durch die Brennnesselfelder – Foto: Uta Ernst
Nachdem wir auch dieses Hindernis gemeinsam geschafft hatten, erreichten wir gegen 5
Uhr 30 den Cher. Wir hatten über 6 Stunden für eine Strecke gebraucht, die wir ohne die
schlimmen Hindernisse bei dem guten Wasserstand leicht in 2 Stunden geschafft hätten. So
konnten wir an den Aus- und Einsetzstellen immer nur einzeln vom bzw. auf das Wasser
gehen und mussten uns mühselig den Weg durch dichtes Gestrüpp, Brennnesselfelder und
hohes Gras bahnen. Zu unserem Glück war an diesem Tag der Himmel bedeckt und es
regnete leicht. Bei wärmerem Wetter hätten die mitgenommenen Getränke nicht gereicht.
Bis zum Campingplatz lagen noch 13 km einschließlich eines unfahrbaren Wehres vor uns.
Kurz nach 7 Uhr erreichten wir froh gelaunt den Campingplatz. Es war ein Abenteuer, das
wir nicht vergessen werden.
Eine kurze Aufregung gab es noch am Campingplatz: Brigitte, die uns viel früher erwartete,
hatte sich Sorgen um uns gemacht. Sie war deshalb mit der Leiterin des Campingplatzes auf
die Suche nach uns gegangen.
Fazit: Die Angaben im DKV-Auslandsführer zu der von uns befahrenen Strecke auf dem
Arnon sind völlig unzureichend. Die Wehre waren allesamt alt und vom Zahn der Zeit
angenagt. Wer diesen Fluss im Auslandsführer beschrieben hat, hat den unteren Arnon
niemals befahren.
Die Streckenangaben habe ich mit Hilfe von Google Earth und via Michelin ermittelt.
Helmuth Zulehner – September 2007