In den Spreewald und in die Uckermark

In den Tagen vom 10.8. bis 26.8.2006 unternahm eine Gruppe von 11 Mitgliedern des FCH,
überwiegend im gesetzten Alter, eine Urlaubsfahrt zu den Seen der Uckermark in
Brandenburg und in Mecklenburg-Vorpommern. Da die Anfahrt für die Wohnwagengespanne
recht weit ist, wurde angeregt, auf dem Weg zur Uckermark im Spreewald einen dreitägigen
Zwischenstop einzulegen und dort einige Bootsfahrten zu unternehmen. Dadurch ergab sich
auch gegenüber der ursprünglichen Planung eine um drei Tage verlängerte Urlaubszeit.
Die Planung und Organisation hatte in bewährter Weise Reinhard übernommen, den
Zwischenaufenthalt im Spreewald plante Helga.
Erst sollte der Abstecher zum Spreewald nur die lange Anreise in die Uckermark
unterbrechen. Aber dann zeigte es sich doch, dass der Spreewald ein lohnendes Revier für
Kanuten ist und dass es dort viel zu sehen und zu erleben gibt. Die drei Bootsfahrten dort
waren für uns jedenfalls ein schönes Erlebnis.
Der von Helga reservierte Campingplatz in Lübbenau hinter dem Schloss liegt günstig für
Paddeltouren im Oberspreewald. Er war aber selbst in der ausklingenden Urlaubszeit
überraschend gut ausgebucht mit auffallend vielen Paddlern. Unser Stellplatz war für drei
Wohnwagen und ein Zelt daher auch äußerst knapp bemessen. Die Einrichtungen waren
sauber und technisch in Ordnung. Der Campingplatz lag auch günstig für kleine Einkäufe und
für einen Besuch des Hafens von Lübbenau mit seinen Kneipen, Gaststätten und
Verkaufsständen. Er konnte in einer Viertelstunde zu Fuß erreicht werden.
Der Oberspreewald bietet mit seinen weit verzweigten Fließen, Gräben und Flussläufen eine
Unzahl von Möglichkeiten für Kanufahrten, aber auch eine entsprechend große Zahl von
Möglichkeiten, sich zu verfahren. Die Wegweiser für die Bootswanderer sind nicht immer
klar und eindeutig, so dass auch wir mehrmals trotz guter Gewässerkarten von der geplanten
Route abkamen und ungewollt Umwege gefahren sind.
Diese vielfältigen Möglichkeiten für Kanutouren locken die Kanusportler aber auch andere
Touristen an, die mit gemieteten Paddelbooten auf den vielen Wasserwegen unterwegs sind.
Dann ist dort aber auch die große Schar der Touristen anzutreffen, die sich mit den
Stocherkähnen durch den schönen Spreewald schieben lassen. Beide Gruppen haben uns
jedoch nicht übermäßig gestört.
Alle Wasserwege sind praktisch ohne Strömung, und so muss jeder Kilometer hart erarbeitet
werden. Es fehlt
dementsprechend aber auch die
Strömungsrichtung als
Orientierungshilfe. An den drei
Tagen im Spreewald war das
Wetter ideal für Bootsfahrten.
Viel Sonne, klare Luft, mäßige
Temperaturen, kein Regen, kein
Wind.
Stets fuhren wir vom
Campingplatz ab und kamen
wieder dort an. Das ersparte uns
die Zeit, die sonst häufig für das
Vorbringen und Umsetzen der
Autos erforderlich ist. Der ganze
Tag stand also zum Paddeln zu
Verfügung, und dementsprechend
gab es keine großen Probleme, auch größere Tagesetappen zurückzulegen.
Zwei Fahrten führten uns auf Rundkursen ostwärts durch die kleinen malerischen Orte Lehde
und Leipe, einmal nach Burg-Kauper und einmal in den Hochwald. Eine Fahrt, ebenfalls ein
Rundkurs, ging westwärts durch
Lübbenau.
Auch die berühmten
Spreewaldkähne waren auf diesen
Routen unterwegs, vorangetrieben
durch die Staken des Bootsführers.
Motorboote gab es kaum. So
konnten wir den Spreewald mit
seiner ganzen Schönheit vom
Wasser erleben, Ausflüge zu
weiteren Sehenswürdigkeiten in der
Umgebung erübrigten sich daher. Es
blieb lediglich die Zeit für einen
Gang durch den Hafen am Abend
zum Einkauf von einigen
Mitbringseln so z.B. den berühmten,
vorzüglich schmeckenden
Gewürzgurken aus dem Fass.
Die Wasserstände in den Fließen werden durch viele Wehre reguliert. In den einzelnen
Abschnitten des umfangreichen Wasserwegenetzes haben die Pegel nur recht geringe
Unterschiede, die von den Bootsfahrern manchmal über Rollen, meistens aber mit Schleusen
überwunden werden müssen.
Eigentlich sollten die Benutzer
selbst die Schleusen bedienen,
aber meistens stehen hilfsbereite
Jungen und Mädchen bereit, die
für einen kleinen freiwilligen
Obolus die Hebel und Tore
bewegen. Ein lustiger Spruch der
Helfer ruft die Paddler manchmal
zu einer Spende auf. Trotz des
regen Bootsverkehrs entstehen
kaum Wartezeiten und innerhalb
von zehn bis fünfzehn Minuten
hat man schon die Schleuse
passiert. Eine Schleusung mit
einigen Booten und
Spreewaldkähnen voller
Touristen ist immer eine lustige
Abwechselung und eine Gelegenheit zu einem kurzem Gespräch.
Auf den Fahrten durch die verschiedenen Wasserläufe wird man so durch kleine
Begegnungen und durch die wechselnden Ufer immer wieder unterhalten und so kommt man
weiter, ohne dass man die Streckenlänge wirklich spürt. Es geht manchmal an schönen alten
Häusern vorbei mit gepflegten Gärten, an Gasthäusern, zutraulichen Enten und anderen
Wasservögeln, Spreewaldkähnen, durch enge überwachsene Kanäle, breitere Flussläufe und
Fließe, die mit See- und Teichrosen gesäumt sind. Meistens steht ein dichter Erlenwald am
sumpfigen Ufer mit überraschend hohen, gerade gewachsenen Bäumen. Dann gibt es aber
auch freie Ufer, die den Blick frei lassen über Wiesen und Weiden. Es ist sehr ruhig, kein
Autolärm, keine lauten Touristen. Keine Motorabgase, nur der Duft des Waldes und des recht
sauberen Wassers. Von manchem Spreewaldkahn mit Touristen weht der Duft eines frischen
Duschbades herüber, oder war es Haarspray? Eine Zigarette riecht man meilenweit. Man wird
sensibel gegen die Düfte der Zivilisation.
Die beschaulichen Fahrten wurden jeweils durch eine Mittagspause unterbrochen, bei der das
mitgebrachte Vesperpaket mit großem Appetit verzehrt wurde. Zur Kaffeezeit hielten wir an
einem der vielen Gasthäuser zu einem guten Stück Kuchen oder auch mehr.
Unsere Gruppe hatte sich bald ein
strammen Tempo angewöhnt,
sodass die Tagesetappen bei 20 bis
30 km lagen. Das ist auf
stehendem Gewässer schon ganz
ordentlich, aber eben auch bedingt
durch die lange Zeit, die uns jeden
Tag zur Verfügung stand, weil
keine Autos bewegt werden
mussten.
Nach den drei Tagen im Spreewald
bauten wir bei gerade noch
trockenem Wetter unsere Zelte ab
und machten uns auf den Weg
östlich an Berlin vorbei in die etwa
200 km nördlich gelegene
Uckermark.
Verglichen mit dem Spreewald ist die Uckermark ein ganz anderes Revier für die
Bootsfahrer. Die Landschaft ist geprägt durch viele kleine und größere Seen, die häufig durch
kleine Wasserläufe ohne Strömung verbunden sind, viel Wald, eine dünne Besiedelung,. Es
gibt wenig Fremdenverkehr.
Das Wetter war weitgehend gut für Bootsfahrten geeignet. Wir ließen uns am Morgen nicht
durch ein paar Wolken abschrecken, und meistens wurde das Wetter im Laufe des Tages auch
immer besser.
Der Campingplatz am Wurlsee
bei Lychen war für uns ebenfalls
gut gewählt. Die Frühaufsteher
und Schwimmbegeisterten
konnten bereits um 7.00 Uhr die
erste Runde im See schwimmen
und regelmäßig um 10.00 Uhr
startete die Paddeltour. Drei
Fahrten konnten wir direkt vom
Campingplatz antreten. Es ging
dann über den See nach Lychen
und von dort gab es mehrere
Routen in verschiedene
Richtungen. Romantisch schön
war die Fahrt in den
Küstrinchener Bach, ein schmaler
Bach durch dichten Wald mit
leichter Strömung und mit himmlischer Ruhe. Eine andere Route führte in den Platkowsee,
ein See unter Naturschutz ohne ein Ort oder ein Haus am Ufer, nur See- und Teichrosen,
Schilf und Wald. Die dritte Tour
vom Campingplatz ging nach
Himmelpfort zum
Weihnachtsmann über den
Lychener See und durch das
Flüsschen Woblitz.
Schön waren aber auch die
Fahrten von Templin. Hier
mussten wir allerdings das Auto
nehmen und 20 km nach Templin
fahren, wo die Rundtouren
starteten. Einmal fuhren wir von
dort nach Treptow und einmal in
den Röddelinsee. Dort kam zum
einzigen Mal ein starker
Regenguss, der uns bei kräftigem
Gegenwind ans Ufer drückte, so
dass wir Deckung suchen mussten.
Eine Fahrt über den Stolpsee bei Fürstenberg war beeindruckend wegen der Größe des Sees.
Da das Wetter dabei aber recht ruhig war, konnten wir die Fahrt genießen und mit einem
tollen einstündigen Ritt den See in seiner vollen Länge durchqueren. Wir hatten uns nach
einigen Fahrten durch stehende Gewässer
inzwischen einen flotten Paddelstil angewöhnt,
den wir über die Seen anwendeten. In den engen
Flüssen ließen wir es wieder ruhig angehen und
bewunderten die intakte Natur mit den Seerosen
und den überhängenden Bäumen. Auch an den
kleinen Städtchen entlang genossen wir das
Panorama bei ruhiger Fahrt. Die Ufer sind
gesäumt mit naturnahen bis zu schön gepflegten
Gärten und mit den uns manchmal etwas
altmodisch und marode anmutenden Gebäuden,
die aber auch auf der anderen Seite historisch
wertvoll erschienen. Auf diese Art berührten
wir die Orte Lychen, Templin, Feldberg,
Himmelpfort und Fürstenberg.
Templin war von den genannten am schönsten,
es besitzt eine gut erhaltene Stadtmauer um die
Altstadt herum und ist zu einem Großteil von
Wasser umschlossen. Dort besuchten wir auch ein Abendkonzert für Orgel und Trompete in
der Kirche mit dem bekannten Trompeter Professor Güttler aus Dresden. Weitere
Ausflugsziele waren Boitzenburg mit Schloss, Kirche und Klosterruine, Fürstenberg und
Ravensbrück.
In Lychen wurde uns ein gutes Restaurant empfohlen, in dem wir an zwei Abenden die
örtlichen Fischgerichte genießen konnten. Traditionell blieb die Campingküche kalt.
Der letzte Tag brachte Regen, so dass die Zelte nicht trocken eingepackt werden konnten,
aber sonst waren wir mit dem Wetter zufrieden.
Dank gekonnter Organisation war es wieder ein gelungener Urlaub in einer nicht alltäglichen
Ferienregion unseres Landes.
W.Fork
September 2006