Unterwegs auf dem „Brenztown-Creek“

Die Wildwassermeilen der österreichischen Alpen sind in Zeiten von Corona unerreichbar für die Heidenheimer Wassersportler. Zum Glück fließt aber auch Wasser direkt durch unseren Landkreis. Mit gebührendem Sicherheitsabstand nahmen sich Lukas Hoffmann und Patrick Vetter ihren „Homerun“ von der Quelle bis zur Bayrischen Mündung vor und boten dem Virus die Stirn.

Über dem sieben Grad kalten Wasser, dass wenige Meter vorher aus dem Quelltopf empor drückt, bildet sich morgens um 7.30 Uhr eine dünne Nebelschicht. Vom Einstieg in Königsbronn gleiten die Creek-Kajaks wie durch Wolken Richtung Itzelberger See. Die Sonne steht noch tief und in Königsbronn regt sich noch niemand. Wenig später werden die Boote das erste Mal aus dem Wasser gehoben. Paddler sollten am Eingang des Sees Rücksicht auf die Vogelschutzinsel nehmen und ihr Boot für ein paar Meter schultern.

Im Gebiet Brünneleswiesen können im Frühjahr Gebirgsstelzen, Wasseramseln sowie brütende Blässhühner und Schwäne beobachtet werden. Die Befahrung ist bis zur Mühle in Aufhausen für private Kanuten verboten, für den Faltbootclub besteht allerdings eine Sondergenehmigung von März bis Oktober.

In Heidenheim wird es dann kompliziert. Die Brenz fließt nach den „Rewe-Rapids“, wo das Wasser ein „S“ mit einigen Kehrwässern bildet, unterirdisch weiter. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Über einen Kilometer Boote schleppen oder Stirnlampe auf und durch. Wer sich als Höhlenforscher probieren möchte muss allerdings wissen, dass bis Mergelstetten noch zwei Wehre kommen (siehe Foto) – beide können nicht umtragen werden.

Nach Bolheim kommt eines der landschaftlichen Highlights der Strecke. Das Eselsburger Tal. Hier können endlich mal einige Kilometer am Stück gefahren werden, ohne ständig die Boote um Verbauungen zu tragen. Im Wasser tummeln sich Fische, Bisamratten und Vögel. Am Ufer Türmen sich riesige Felsen auf – und Spaziergänger treten sich an einem sonnigen Feiertag fast tot.

Am Ortseingang Herbrechtingen wird das Wasser bei niedrigen Pegelständen für rund 200 Meter zu flach zum Paddeln. Danach folgt der renaturierte Flussabschnitt bis zur Vogelinsel. Der Fluss mäandert Richtung Giengen. Sogar Flussmuscheln und der Bieber leben auf diesem Teil der Brenz. Das ganze Naturschauspiel ist spätestens in Hermaringen vergessen. Dort warten mehrere Wehre, die glücklicherweise aber alle gut zu umtragen sind.

Nach Hermaringen folgt eine märchenhafte Landschaft aus Inseln, hohen Gräsern und Baumbrücken, die der Biber über den Fluss gelegt hat. Die letzten Kilometer dürften der Höhepunkt für jeden Vogelliebhaber sein. Mit Glück können dort sogar Schildkröten beobachtet werden. Um 15.45 Uhr laufen die Wildwasserkajaks in Sontheim/Brenz ein. Insgesamt ist der Abschnitt der Brenz bis zum Ausstieg an der Kirche eine sportliche Tagestour. Für die 41 Kilometer sollte man früh genug aufstehen. Bis zum Zusammenfluss mit der Donau wären es noch rund 11 Kilometer mehr. Wegen der Sicherheitsmaßnahmen gegen die Corona-Pandemie konnten wir allerdings nicht weiter über die bayrische Grenze paddeln.